Ich habe so eine Wut im Bauch, das kann man sich gar nicht vorstellen.
Mir ist schon klar, dass der Konkurrenzdruck auf den Energiemärkten enorm ist und der Wettbewerb schärfer denn je abläuft. Mit allen Mitteln versucht man, die Kunden zu gewinnen und zu halten. Undurchschaubare Tarifstrukturen, Bonus-Versprechen, Rabatte, Mindestlaufzeiten, Partnerprogramme und..und..und.
Man kann aber auch das Verhalten eines ignoranten und geldgeilen Monopolisten annehmen, und Kunden, die einem gar nicht “gehören”, in seine Verträge schaufeln und dort verhungern lassen. Wehren kann sich der Mensch ja kaum, wer nicht zahlt, sitzt schlimmstenfalls im Dunkeln und friert sich den Hintern ab.
Folgendes ist uns passiert: Wir sind – das dicke Schlagwort rechts lässt keinen Zweifel daran – vor Kurzem umgezogen. Von einem Einfamilienhaus in ein anderes. Wir erhielten die Schlüssel zum neuen Zuhause am 01.08.09 und hielten sofort die Zählerstände (Strom und Gas) fest, noch bevor wir hier auch nur einen Lichtschalter betätigten. So gehört sich das ja auch. Strom und Gas meldeten wir sodann bei für uns günstigen Versorgern an, Strom bei energieGUT, Gas bei GoldGas.
Im August haben wir im neuen Heim renoviert und zogen sukzessive dann um. Irgendwann schrieb uns unser Wunsch-Stromanbieter, dass es Probleme bei der Anmeldung gäbe. Der zuständige Netzbetreiber, die RWE, könne angeblich unsere Daten nicht zuordnen und wisse nicht, welcher Zähler, welche Verbrauchsstelle, denn gemeint sei. Wir sollten unsere Daten überprüfen und uns wieder melden. Ich war überrascht und tippte auf einen Zahlendreher. Wobei wir ja im EFH (Einfamilienhaus) wohnen und nicht irgendeine Familie in einem Hochhaus sind, das konnte doch so schwer nicht sein? Ich verglich die Daten, die ich bei energieGUT angegeben hatte, mit den tatsächlichen und alles stimmte. Ich schrieb zurück, dass es keine Probleme geben dürfte, es sei ja alles korrekt erfasst worden, dass ich die Reaktion der RWE nicht nachvollziehen könne. Wir sollten uns aber nochmal neu anmelden und taten dies. Wieder gab es etwas später die Antwort, man könnte uns leider nicht anmelden, weil der Netzbetreiber, die RWE, die selbe Reaktion auf den Anmeldungswunsch gegeben hätte. Wir sollten uns doch selbst mit dem Netzbetreiber in Verbindung setzen und uns erkundigen, ob wir in der Grundversorgung erfasst seien.
Die Grundversorgung ist ja das, was die Belieferung mit Energie sichert. Der örtliche Versorger stellt diese Energie zur Verfügung und das ist soweit natürlich auch alles prima. Schlimm wäre es, man zöge irgendwo ein und hätte erst mal kein Strom, kein Wasser und keine Heizung, bis die gute deutsche Bürokratie läuft.
Aber zurück zu unserer Lage. Ich schrieb die RWE an und erklärte die Situation, bat um eine Stellungnahme. Und siehe da, zwei Tage später erhielten wir ein Schreiben der RWE. Man begrüßte uns als “Neukunden” und wir wurden bei Strom und Gas gemäß Grundversorgungstarifen geführt. Die RWE, die uns angeblich nicht zuordnen konnte, hatte in ihrem Schreiben jedoch nicht nur die zukünftigen Abschläge für uns parat (der erste wird im November fällig und ist natürlich happig, weil man uns ja so lange hin gehalten hat), nein, seltsamerweise liest man dort auch die korrekten Zählernummern nebst der richtigen Zählerstände, die wir ja nur den von uns auserkorenen Versorgen mitgeteilt hatten.
Gedankenübertragung?
Ich beschwerte mich sofort bei der RWE und verlangte, dass man das richtig stellte. Wir wollten schließlich keine Kunden bei der RWE sein und es ist wirklich eine Riesensauerei, dem Stromanbieter vorzulügen, man wisse gar nicht, wer wir überhaupt sind. Es ist nämlich auch so, dass nach geltendem Recht der örtliche Netzbetreiber, der die Grundversorgung sichert, durch Fristen den Kunden schon mal ein wenig an sich bindet. Wer sich nicht früh ummeldet oder anmeldet, hat Pech und darf noch einen Monat länger warten, da der neue Anbieter nicht von heute auf morgen kündigen kann, sondern eben nur nach Ablauf von mehreren Wochen. Was in unserem Fall bedeutet, der früheste Termin zum Wechsel ist der 01.12.09! Bis dahin kassiert definitiv die RWE unsere Kohle, wir können nichts tun. Ich stellte klar, dass ich es als Frechheit empfinde, unserem Wunschversorger mitzuteilen, man könnte die Daten nicht zuordnen. Dass das offenbar aber problemlos gelingt, wenn man jemanden als eigenen Kunden akquirieren will. Ich fragte auch gleich, ob uns das mit dem Gasanbieter dann wohl auch zeitnah blühen würde.
Natürlich korrespondierte ich weiter mit energieGUT und die schrieben uns nun vor ein paar Tagen an, dass sie uns zum 01.12.09 aus der Grundversorgung hatten kündigen wollen, die RWE sich bis dato aber nicht genötigt fühlt, ihnen die Kündigung und den Wechsel zu bestätigen. Dies komme aber schon mal vor und sie seien zuversichtlich, dass es dennoch klappt. Schön, wenn man noch Hoffnungen hat.
Zusätzlich meldete sich unser Wunschkandidat für die Gasversorgung, GoldGas, um uns darüber zu informieren, dass der örtliche Netzbetreiber uns leider mit den angegebenen Daten gar nicht zuordnen könne. Neeeeee, oder?! *grrr* Also habe ich denen das ganze Theater erklärt und ihnen auch deutlich gesagt, dass die RWE uns ja schon erfasst hatte und zwar mit den richtigen Zählerständen, die die RWE natürlich nur von den Versorgern wissen kann, bei denen wir uns angemeldet hatten. Auch, dass man uns offenbar nicht mehr aus dem aufgedrückten Vertragsverhältnis – dank “Grundversorgung”, zum Kotzen! – beim Strom heraus lassen will, habe ich angegeben. Natürlich unter Nennung unserer “Kundennummer” bei der RWE, denn wir haben ja eine. Wenn die RWE von dir Geld bekommen darf, weiß sie auch, wer du bist.
Leider kann man da als Verbraucher nicht einfach streiken. Ich kann schlecht NICHTS mehr verbrauchen hier. Das würde ja dazu führen, dass wir abends früh im Dunkeln säßen und uns bald die Hintern abfrieren und nur noch schimmliges Zeug essen könnten. Totaler Quatsch, das juckt die Damen und Herren am anderen Ende des Kabels und des Rohrs ja mal so was von gar nicht. Wenn wir nicht zahlen, blüht uns das aber, das geht mit Kindern natürlich nicht.
So kann man es doch machen, man nutzt einfach sein rechtlich gegebenes und abgesichertes Monopol aus und bindet die Leute an sich und seine Preise. Nicht, dass hier irgendwo jemand unfair verscheißert würde oder man glatt den armen Energieriesen in den Ruin treibt. Ist doch nett.
So nett, wie es doch in der Antwort auf meine böse Beschwerde bei der RWE hieß: “Wir hoffen jedoch, dass wir Sie durch unseren guten Service überzeugen können und Sie auch weiterhin zu fairen Preisen beliefern dürfen.”
Fair? Ihr könnt mich mal.
Fortsetzung folgt.
